Der Männerchor "Einigkeit" im Jahr 1885

 

 

Unsere Geschichte

In der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden in Deutschland vielerorts Gesangsvereine. Den Sängerinnen und Sängern ging es dabei um Geselligkeit, Stunden im fröhlichen Beisammensein und die Pflege des Volksliedes. In der Zeit entstanden auch in Finsterwalde mehrere Gesangsvereine, darunter auch 1885 der Männergesangsverein ( MGV) "Einigkeit". Entsprechend der ökonomischen Entwicklung dieser Zeit kamen die Mitglieder aus der Arbeiterschaft und den Mittelschichten Viel an Dokumenten ist aus dieser Zeit über den MGV "Einigkeit" nicht erhalten geblieben.

Alle im damaligen Vereinslokal oder bei Vorstandsmitgliedern befindlichen Schriftstücke, Protokollbücher, Noten, selbst die Kasse, wurde 1933 beschlagnahmt, und der Chor aufgelöst. Aus dem, was erhalten blieb, ist zu erkennen, daß der MGV " Einigkeit " 1907 etwa 30 aktive Sänger hatte. Da sich dem Verein später viele sangesfreudige Mädchen und Frauen anschlossen, zählte der Verein in den Jahren zwischen 1920 und 1930 etwa 170 Sängerinnen und Sänger. Gesungen wurde als gemischter Chor, Frauen- und Männerchor. Zum Zeitpunkt der Auflösung des MGV 1933 waren es noch etwa 80 Mitglieder. Der MGV " Einigkeit " gehörte dem Deutschen Arbeiter-Sängerbund an.

Das Chorsingen nahm in der Zeit vor und nach der Jahrhundertwende in unserem kleinen Städtchen - Finsterwalde zählte damals nur 10000 Einwohner - eine erstaunliche Breite an. Bereits vor der Gründung des MGV " Einigkeit " im Jahre 1885 waren bis 1862 die " Liedertafel " unter Lehrer Zier, bis 1864 der " Liederkranz " unter Lehrer Goßlau und bis 1869 "Grüne Eiche" unter Musiker Reinig entstanden.
Aus Anzeigen Finsterwalder Zeitungen in der Zeit um die Jahrhundertwende ist vom MGV " Einigkeit " bekannt, daß er Konzerte gab. So hat eine Anzeige aus dem Jahre 1900 z.B. zu einem " Großen Instrumental- und Vokalkonzert " des MGV " Einigkeit " im damaligen Victoria- Hotel (später Haus der Freundschaft) eingeladen. Der Erlös dieses Konzertes war für wohltätige Zwecke bestimmt. Sicher wäre alles beim Normalen geblieben, wenn nicht der Berliner Komponist Wilhelm Wolff die Öffentlichkeit mit seinem schwankartigen Einakter "Die Sänger von Finsterwalde" überrascht hätte.

Am 5. Januar 1947 erfolgte durch 16 singefreudige Männer, zum größten Teil Mitglieder des vormaligen Männergesangsvereins "Einigkeit", die Wiedergründung als Männerchor ,,Einigkeit". Wenige Jahre später umfaßte der Chor bereits 120 Mitglieder, etwa je zur Hälfe aktive u. Nicht-Sänger ( Förderer des Chores und ausgeschiedene Sänger). Er entwickelte sich kontinuierlich zu einem weit über die territorialen Grenzen hinaus bekannten Chor, der für seine Leistungen und sein Wirken viele Auszeichnungen erhielt, sowie Anerkennungen und Ehrungen erfuhr. Seit 1973 trägt der Männerchor (MCE) "Einigkeit" das Leistungsprädikat "Oberstufe-gut", was danach bei mehreren Leistungsvergleichen verteidigt werden konnte. Die künstlerische Leitung liegt seit 1965 in den Händen von Herrn Roland Reichelt, der entscheidend zur künstlerischen Entwicklung des Chores beitrug. Seit 1960 verband den Chor ein Patenschaftsvertrag mit dem Draht- und Schraubenwerk, im Januar 1977 wurde er Betriebschor dieses Betriebes.

 

Die ideelle und materielle Unterstützung des Betriebes war beispielgebend und hat den Sängern Ansporn gegeben. Der Chor dankte es dem Betrieb insbesondere durch ständige Auftritte bei Betriebsveranstaltungen und jährlich einem Karnevalsabend (Sängerkarneval),eigens für die Beschäftigten des Betriebes. Der MCE pflegt den vierstimmigen Chorgesang. Aus deutscher Volksmusik, romantischem und klassischem Liedgut, aber auch aus Gegenwartsmusik stellt er seine Programme zusammen. Jede Woche wird Donnerstag in der Zeit von 20.00 Uhr bis 21.30 Uhr geprobt. Auftritte hatte der Chor zwischen 1965 und 1990 etwa 25 pro Jahr. Heute sind es etwa 15 bis 20 pro Jahr. Sie umfassen neben solchen anläßlich von Festveranstaltungen das jährliche Konzert, die zum Sängerfest und Sängerkarneval, die Auftritte im Draht- und Schraubenwerk, bei befreundeten Chören, zum Singen in Feierabendheimen, im Kreiskrankenhaus zum Totensonntag- Singen auf dem Friedhof zum Gedenken an verstorbene Sangesbrüder sowie zu Jubiläen.

Seine Höhepunkte erreichte das Wirken des Chores vor der Wende, als Rundfunk und Fernsehen sich für Auftritte unsers Chores festlegten. Nach dem Auftritt in der Sendung "Alles singt" wurde der MCE für seine gute Arbeit ausgezeichnet, um am 95. "Kessel Buntes" mitzuwirken. Es ist wirklich nichts alltägliches, zweimal vor 4500 Zuschauern zu singen und dazu Millionen Augen und Ohren vor den Fernsehern zu wissen. Für den sechs Minuten Auftritt im Zweistundenprogramm waren zwölf 120 km Busfahrten zu vierstündigen Proben nach Berlin erforderlich. Der Auftritt selbst wurde zu einer 3-Tage-Unternehmung organisiert. Begleitet von Kammersänger Rainer Süß und 20 Herren des Rundfunk-Chores, optisch aufgewertet durch 20 Hundeführer und 20 Falkner mit ihren Prachttieren, bot der MCE in Försteruniform eine Jagdliederfolge, die ankam. Der starke Beifall im großen Palastsaal und die lobenden Worte der Fans zu Hause ließen das merken. Das mehrwöchige Üben und die vierstündigen Proben in Berlin haben etwas gebracht. Mit namhaften Künstlern aus Irland, den Niederlanden, USA und Großbritannien, aus Österreich, der CSSR und dem eigenen Land in einer Sendung aufgetreten zu sein und mit den Stars hinter den Kulissen gelebt zu haben, das wird unseren Sängern immer in guter Erinnerung bleiben. Die Herbstkonzerte mit dem Staatlichen Orchester Senftenberg unter Leitung von Herrn Musikdirektor Schwietzke, die Konzerte mit befreundeten Chören und die eigenen Konzerte, fanden im Finsterwalder "Haus der Freundschaft" immer vor voll besetztem Haus (700 Besucher) statt. Das Leben des MCE ist seit seiner Wiedergründung sehr vielfältig. Entscheidend wirkte der Chor mit, bei der Ausgestaltung der schönen, weithin bekannt gewordenen Sängerfeste der Sängerstadt Finsterwalde.

Seit dem 1.Sängerfest 1954 ließ der MCE auch die 4 Finsterwalder Sänger wieder als Quartett aufleben. Damit war der Anschluß gefunden an die Tradition der bekannten Finsterwalder Sänger der Jahre nach der Jahrhundertwende. Überall, wo der MCE seither zu Gesangskonzerten hinfuhr oder bei geeigneten Veranstaltungen auftrat, sind auch diese 4 Originale in Frack und Zylinder in humoristischer Art dabei. Inzwischen sind die 4 Finsterwalder Sänger des MCE aus dem Alltag der Stadt nicht mehr wegzudenken. Sie sind gefragt bei allen Anlässen wie Eröffnungen von Bankfilialen, Kaufhäusern und Autohäusern, bei Sängerfesten, Jubiläen, verschiedenen kommunalen Veranstaltungen usw...Mindestens ebenso wirksam wie mit dem Singen ist der MCE mit seinem Finsterwalder Sängerkarneval, der dieses Jahr seine 60. Saison erlebt. Dem Frohsinn und dem Geschick der Sänger, Nichtsänger und ihren närrischen Freunden gelingt die karnevalistische Bühnenschau immer wieder gut, um so sieben närrische Veranstaltungen durchführen zu können

In der großen persönlichen Mitarbeitsbereitschaft der Sänger für ihren
Chor sieht der MCE die Gewähr für weitere lange Jahre frohen Singens und
Schaffens zur Freude der vielen Anhänger, die die Säle füllen, wenn der Chor
auftritt, um noch viele viele Jahre Geschichte schreiben zu können.


ein Auszug aus der Geschichte des Chores aufgeschrieben von
Sangesbruder Reinhold Poetzsch

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